Geschichte

Manche berühmten Türme haben familiäre Namen,
die ihre Grösse mildern und sie als gute
Nachbarn erscheinen lassen.
So haben die Wiener ihren "Steffel"
und die Hamburger ihren "Grossen Michel",
die Londoner nennen ihren ehrwürdigen
Parlamentsturm "Big Ben" und in München steht
der "Alte Peter".
Welche Kirche aber kann sich schon rühmen,
dass ihr Kirchturm eine Stadthymne
angeregt hat? Der "Alte Peter" kann es.
Hinzufügen darf man, dass der
Bayerische Rundfunk das Lied vom "Alten Peter"
als Pausenzeichen in alle Welt ausstrahlt.

Schon hundert Jahre vor der eigentlichen Gründung
Münchens durch Heinrich den Löwen im Jahre
1158 ist die erste Peterskirche
nachweisbar auf dem Petersbergl, dem höchsten
Punkt der Altstadt. Bis in unsere Zeit reichen
aber nur Teile der Westtürme der
gotischen Basilika von 1294. Damals wird am
Chor des Doms St. Peter in Köln gebaut.
Wie im Osten der plastische, unverputzte
Ziegelbau der frühbarocken Choranlage einst als
Schauseite über die Stadtmauer hinweg wirkte,
so erhebt sich als Fassade zum Marienplatz,
dem Zentrum Münchens, über einem
westwerkartigen Unterbau der 91 m hohe
Petersturm.
Zwischen diesen beiden Querriegeln
ist das gotisch-barocke Langhaus eingespannt,
das nach außen aufgrund der beiden
Seitenkapellen-Reihen fünfschiffig erscheint.
Über den Stümpfen der beiden Westtürme aus dem
letzten Viertel des 13. Jh., die mit ihren
Pultdächern riesigen Strebepfeilern gleichen, ragt
in der Mitte das hundert Jahre jüngere Turm-
obergeschoss mit den spitzbogigen
Klangarkaden
empor, das über der Galerie mit dem schönen
schmiedeeisernen Gitter in der Bekrönung des
frühen 17. Jh. gipfelt. Dieser originelle Turmhelm
ist komprimiert aus einer quergelagerten
Kuppel mit Uhrengaupen, einer tempiettoartigen
Laterne und einem Obelisken mit dem Papstkreuz;
er ruft den 1586 unter Papst Sixtus V.
vor St. Peter in Rom aufgerichteten
Obelisken mit der "Crux invicta" auf der Spitze
in Erinnerung. Unter diesem Aspekt mag auch die
Ostansicht des dreigeschossigen
Dreikonchenchors als Zitat der
römischen Peterskirche erscheinen, das
"Petersbergl" als Abbreviatur des Mons Vaticanus.

Doch schon 1327 fällt die Peterskirche dem
großen Stadtbrand zum Opfer, nur die
Türme bleiben leidlich erhalten.
Beim Wiederaufbau trägt man sie teilweise
ab und errichtet bis 1386 den sehr
breiten Mittelturm mit zwei
spitzgiebeligen Helmen.

Der "Alte Peter" und die Blitze

Stolz und unverwechselbar ragt der "Alte Peter"
auf dem höchsten Punkt der Altstadt 91 m
in den Himmel - und zieht geradezu die Blitze an.
Natürlich nicht bei jedem Gewitter und nicht
in jedem Jahr, aber doch so oft, dass man eine
Gewittergeschichte von St. Peter verfassen
könnte. Vor kurzem hat der "Alte Peter" wieder
einmal einen Blitz angezogen und zwar
während eines Gewitters am 27. Juli 1995
gegen 20.45 Uhr. Gewöhnlich ist der Turm um
diese Zeit schon längst geschlossen und
das Turmwärterhäuschen neben dem Aufgang
nicht mehr besetzt. Aber an diesem Abend
waren Fotografen mit einer Sonder-
genehmigung auf dem Turm gewesen. Sie waren
schon abgezogen, der Turmwärter hatte die
üblichen Absperrmaßnahmen getroffen und dann
Schutz vor dem einsetzenden Wolkenbruch im
Turmhäuschen gesucht. Nach kurzer Zeit ein
ohrenbetäubender Krach, Zischen,
Helligkeit und verschwunden war der Blitz am
Ende des Blitzableiters im Boden - knapp drei
Meter vom Turmeingang entfernt. Verletzt wurde,
Gott sei´s gedankt niemand. Aber der
Schaden an den elektrischen Leitungen war so
gering nicht; einige Tage standen die
berühmten acht Turmuhren still, und die
Glocken schwiegen. Trotz allem werden Turm
und Kirche durch moderne Technik geschützt, so
dass sich niemand bei einem Gewitter in
St. Peter fürchten muss - es sei denn, man fasst
unbedingt einen Blitzableiter an...
In der Geschichte von St. Peter ist oft von
Blitzeinschlägen die Rede. Der folgenreichste
Blitz traf am 24. Juli 1607 den "Alten Peter", der
damals noch seine beiden gotischen
Turmspitzen trug. Sie brannten ab, mit Mühe
konnte man den Brand noch oberhalb der
Glockenstube löschen. Alles hat seine zwei
Seiten: zerstört waren die alten Spitzen, aber
diesem Brand verdanken wir die heutige, durchaus
charakteristische Turmbekrönung.
Doch manchmal verläuft die Gewittergeschichte
von St. Peter ausgesprochen dramatisch.
Noch war die neue Turmspitze nicht vollendet,
fuhr am 9. Mai 1619 schon wieder ein Blitz in die
Kirche und zerstörte diesmal die neuerbaute
Orgel. Die Pfarrer und die Gemeinde von St. Peter
zeigen schon immer Mut und Entschlossenheit:
Zwei Jahre nach diesem Unglück war der
neue Turmaufbau vollendet, und in der Kirche
erklang eine neue Orgel. 1996 feiert die Pfarr-
gemeinde die 250. Wiederkehr des Tages,
an dem der Hochaltar konsekriert wurde.
Dieses Prunkstück und die glanzvolle barocke
Ausstattung der Peterskirche verdanken wir
Dechant und Stadtpfarrer Dr. Cajetan von Unertl.
Auch während seiner langen und anstrengenden
Amtszeit von 1724 bis 1753 schlug der
Blitz mehrere Male in St. Peter ein.
In der Pfarrgeschichte von Ernest Geiß (1868)
wird die Gewittergeschichte von St. Peter
fast dramatisch spürbar:
"Vom 12. bis 15. Mai 1725 firmte der Bischof
von Freising auf viermal 3286 Personen in der
St. Peterskirche, welche auch noch am
26. Juli desselben Jahres visitiert wurde. Wenige
Tage zuvor, am 18. Juli 1725, schlug der Blitz
in die St. Peterskirche.
Dieses Unglück traf St. Peter unter Herrn
Dechant Cajetan von Unertl noch
dreimal: am 11. August 1727 und am 13. Juli
1730; am 18. Mai 1752 fielen gleich zwei
Donnerstreiche auf einmal:
Der eine schlug alle Wetterläutenden
zu Boden, der andere fuhr in das Langhaus
herein, kam in die Sakristei, zersprengte dort
das steinerne
Lavoir und fuhr durch eine
Fensterscheibe wieder hinaus."